Hashimoto Thyreoiditis – Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse

Ihren exotischen Namen verdankt die Krankheit ihrem Entdecker, dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto. Bei der Hashimoto Thyreoiditis, von der vor allem Frauen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr betroffen sind, kommt es zu einer anhaltenden Entzündung der Schilddrüse, durch die das Gewebe der Schilddrüse teilweise zerstört wird. Die Autoimmunerkrankung hat ihre Ursache im körpereigenen Abwehrsystem. Der Körper erkennt die Schilddrüse fälschlicherweise als fremdes Gewebe und produziert Antikörper gegen das Organ. Weil das eigene Immunsystem beteiligt ist, heißt sie deshalb auch Autoimmunthyreoiditis.

Das Tückische an einer Hashimoto Thyreoiditis

Durch den Zerfall des Gewebes kommt es im Anfangsstadium der Hashimoto Thyreoiditis zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Monate später normalisiert sich die Schilddrüsenfunktion aber wieder und führt längerfristig zu einer Unterfunktion der Schilddrüse. Die Entzündung ist meist schmerzlos und wird darum oft erst bemerkt, wenn schon eine Unterfunktion vorliegt.

Ursachen der Hashimoto Thyreoiditis

Was die Hashimoto-Thyreoiditis genau auslöst, wird noch erforscht. Eine Veranlagung zur Krankheit liegt bereits in den Genen. Die Störung kommt familiär gehäuft vor. Sie kann mit anderen Autoimmunerkrankungen einhergehen, zum Beispiel der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus Typ 1. Untersuchungen zeigen, dass die Hashimoto Thyreoiditis in zeitlichem Zusammenhang mit hormonellen Umstellungen (Pubertät, Entbindung, Wechseljahre) und Belastungssituationen entstehen kann.
Daneben stehen auch schwer verlaufende Viruserkrankungen (wie Pfeiffer-Drüsenfieber, Gürtelrose), Dysfunktionen der Nebennierenrinde sowie Umwelteinwirkungen im Raum. Debattiert wird außerdem über die Bedeutung einer übermäßigen Jodzufuhr für den Ausbruch der Krankheit. Als relativ sicher kann gelten, dass sie, genau wie Morbus Basedow, durch sehr hohe Jodmengen ausgelöst werden kann (z. B. durch jodhaltige Kontrastmittel).

Hashimoto Thyreoiditis Symptome

Aufgrund der möglichen anfänglichen Schilddrüsenüberfunktion (Hashitoxikose) können für eine gewisse Zeit folgende Symptome auftreten:

Lebensalter Symptome der Unterfunktion Symptome der Überfunktion
Baby aufgeblähter Bauch, aufgedunsenes Gesicht, große Fontanelle, heiseres Schreien, Ikterus, kalte Arme und Beine, Nabelbruch, Babys schlafen sehr viel, sind teilnahmslos und trinkfaul häufiges Schwitzen, Durchschlafstörungen, Schreikind, häufig Durchfälle, starker Bewegungsdrang
(Klein-) Kinder Bauchschmerzen (Verstopfung), Blässe, verzögerte Sprachentwicklung, Infektanfälligkeit, verzögertes Wachstum und verspätete Zahnbildung, Kinder sind kälteempfindlich, ohne Antrieb und verträumt, Spätentwickler häufig Wutanfälle, Abwehr gegen Zubettgehen, warme und feuchte Haut, Bauchschmerzen (Durchfälle), Wachstumsstörungen, verfrühte Zahnentwicklung, Kinder benötigen viel Aufmerksamkeit, »Zappelphilipp« (oft Verdacht auf ADHS), streiten sich häufig mit anderen Kindern
Jugendliche Gewichtszunahme, Depression oder Angst, heisere Stimme, Ödeme um die Augen, Leistungsabfall, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, erhöhte Kälteempfindlichkeit, Haut und Haar trocken, verspätete Pubertät Stimmungsschwankungen, Aggressivität, Schlafstörungen, starkes Schwitzen, Gewichtsabnahme (oft Verdacht auf Anorexie), Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Wachstumsschmerzen, gestörtes Knochenwachstum


Nervosität, Reizbarkeit, Rastlosigkeit, Zittern der Hände, Schlafstörungen, Schwitzen, Herzklopfen und Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, feuchtwarme Haut, Heißhunger und Durst, Gewichtsverlust trotz guten Appetits, bei Frauen zusätzlich Störungen im Menstruationszyklus (unregelmäßige oder verstärkte Blutungen, Ausbleiben der Regelblutung).

Langfristig folgt das Einsetzen der Schilddrüsenunterfunktion durch folgende Symptome:
niedrige Körpertemperatur, erhöhte Kälteempfindlichkeit, Ödeme (Schwellungen durch Wassereinlagerungen, besonders an Lidern, Gesicht, Extremitäten, Myxödem), Kloß im Hals, Strangulationsgefühl (auch nur phasenweise), häufiges Räuspern und Hüsteln, heisere oder belegte Stimme (Stimmbandödem), depressive Verstimmung, Motivationslosigkeit und Antriebslosigkeit, Muskelschwäche / Muskelverhärtung, trockene und rissige Haut und damit verbundener Juckreiz, trockene Schleimhäute, brüchige Haare und Nägel, Haarausfall, schnelle und starke (fast unkontrollierbare) Gewichtszunahme, Übelkeit, Verdauungsstörungen, Wachstumsstörungen, Herzvergrößerung, verlangsamter Herzschlag, verringerte Libido, veränderter Zyklus (bei Frauen), Augenerkrankung (endokrine Orbitopathie), Gelenkschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Müdigkeit.

Der Krankheitsverlauf bei Hashimoto Thyreoiditis

Die Symptome sind vielfältig und – gerade zu Beginn der Erkrankung – schwierig einzuordnen. Die Vielzahl und diese Variabilität der Symptome sowie der schleichende Verlauf erschweren die Diagnose.

Wie sieht die Behandlung der Hashimoto Thyreoiditis aus?

Der Arzt verschreibt das Schilddrüsenhormon Levothyroxin (L-Thyroxin). Meistens müssen die Patienten ein Leben lang täglich eine Hormontablette einnehmen – am besten morgens eine halbe Stunde vor dem Frühstück, auf nüchternen Magen mit etwas Wasser. Wegen des hohen physiologischen Hormonspiegels der Schilddrüse.

Gibt es Nebenwirkungen der Medikation?

Bei korrekter Dosierung treten keine Nebenwirkungen auf. Vor allem bei älteren Menschen oder Herzpatienten wird der Mediziner zunächst eine eher niedrige Hormonmenge verordnen und sie langsam bis zur individuell passenden Dosis steigern.

Wenn die Schilddrüse aufgrund der Hashimoto Thyreoiditis nicht mehr ausreichend Schilddrüsenhormone herstellen kann, muss die Unterfunktion durch (einschleichende) Substitution therapiert werden. Bei einer guten Einstellung ist der Patient meistens beschwerdefrei und die Lebenserwartung trotz der Schilddrüsenentzündung nicht vermindert.

Die Kontrolle des TSH Wertes

Es empfiehlt sich, eine regelmäßige Kontrolle des TSH-Wertes und der Hormonspiegel fT3 und fT4, da sich im Laufe der Erkrankung Veränderungen einstellen können, die eine Anpassung der Dosis erfordern. Zusätzlich sollte die Schilddrüse (halb-)jährlich per Ultraschall überprüft werden.
Die erfolgreiche Einstellung dauert oft mehrere Monate bis zu zwei Jahren. Je länger eine Unterfunktion bereits andauert und je schwerer sie ist, umso langwieriger ist es in der Regel, einen befriedigenden Hormonstatus und Wohlbefinden zu erreichen.

Die Diagnose der Hashimoto Thyreoiditis

Eine Schilddrüsendiagnostik, die sich ausschließlich auf den TSH Wert stützt, ist zur Erkennung einer Hashimoto-Thyreoidis meist nicht aussagekräftig genug. Das liegt daran, dass auch ein TSH Spiegel oder freie T3- und T4-Werte, die in der Norm liegen, keine Ausschlusskriterien für eine Hashimoto Thyreoiditis sind.
Sehr wichtig für die Diagnose ist zudem ein Sonogramm der Schilddrüse. Typischerweise erscheint die Schilddrüse im Ultraschallbild inhomogen und echoarm, was auf die laufende Zerstörung hinweist. Auch die im Doppler-Sonogramm erkennbare verstärkte Durchblutung liefert einen Hinweis auf eine Entzündung. Auch die Größe der Schilddrüse kann im Sonogramm beurteilt werden.

Welche Schilddrüsen Antikörper sind für die Diagnose Hashimoto Thyreoiditis relevant?

Die für die Diagnose der Schilddrüsenentzündung Hashimoto Thyreoiditis wichtigen Werte sind MAK und TAK.

Mikrosomale Antikörper

„MAK“ steht für „mikrosomale Antikörper“, das bedeutet Antikörper gegen Schilddrüsen Mikrosomen. Die MAK sind nicht nur gegen Mikrosome als Ganzes gerichtet, sondern gegen das Enzym TPO. Man nennt sie aus diesem Grund auch „TPO-Antikörper“ oder kurz TPO-AK.

MAK Normalwerte
negativ: < 35 U/ml (nicht erhöht)
positiv: > 35 U/ml (erhöht)
Die Normalwerte können je nach Labor und Messmethode unterschiedlich sein.

Thyreoglobulin-Antikörper

„TAK“ sind die „Thyreoglobulin-Antikörper“. Es findet sich in der Literatur auch die Abkürzung „Tg-Ak“. Sie greifen das Thyreoglobulin an, aus dem die aktiven Schilddrüsenhormone T3 und T4 gebildet werden.

Es können sowohl MAK und TAK gemeinsam vorhanden sein, als auch nur eine der beiden Antikörperarten. Es finden sich oftmals gerade zu Beginn der Schilddrüsenentzündung keine erhöhten Werte im Blut. Außerdem schwanken die Antikörperspiegel stark, so dass auch ein vorübergehendes oder andauerndes Verschwinden möglich ist.

TAK Normalwerte
negativ: < 100 U/ml (nicht erhöht)
Grenzbereich: 100 - 200 U/ml
positiv: > 200 U/ml (erhöht)
Die Normalwerte können je nach Labor und Messmethode unterschiedlich sein.

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